12/17 Schornsteinfeger als solidarisches Vorbild

Mathias Kazek Regionalsekretär
Mathias Kazek

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vermutlich war keiner der Leser dieser Zeitschrift im ersten Moment hin und weg, als er die Informationen über die Tarifeinigung las. Das wird wohl daran liegen, dass in unserem Regionalverband, in dem der Kaminfeger versendet wird, lediglich 3 alte Bundesländer vertreten sind. Wir sind uns bewusst, dass die Kollegen aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland mit diesem Tarifabschluss eine große Kröte schlucken müssen. Wir geben uns aber nicht mit der Aussage zufrieden, dass wir einen schwachen Tarifvertrag abgeschlossen haben.

Der kommende Tarifvertrag wird vom 01.01.2018 bis 31.12.2020 laufen und sieht in diesem Zeitraum einen 100%igen Angleich der Löhne der neuen Bundesländer an die Alten vor. Ebenso wird parallel eine stufenweise Lohnsteigerung (1% in 2018, 1,5% in 2019 und im Jahr 2020 1,7%) vorgesehen. Gegenforderungen, wie z.B. die 40 Stunden Woche oder Einbußen im Bereich der Sonderurlaubstage konnten verhindert werden. Dadurch bleibt in diesem Bereich, trotz Gegenforderungen der Arbeitgeber, der Status Quo erhalten.

Somit haben wir als Gewerkschaft eine große Aufgabe erfüllt und werden ab dem 01.01.2020 bundesweit einen einheitlichen Lohn haben. Ausgenommen ist hier Baden-Württemberg, da weniger bezahlte Schulungstage zur Verfügung stehen.

Es hat sich nicht die Frage gestellt, ob wir den Sprung zum einheitlichen Lohn machen, sondern wann. Wir haben in den letzten Tarifrunden die Schere zwischen Ost- und Westlohn größer werden lassen, um für die Kollegen im Westen einen prozentual höheren Abschluss erzielen zu können. Und doch gab es immer wieder die Ausrede, die Arbeitgeber könnten nicht noch mehr zahlen, da der Osten es sich nicht leisten kann, die Lücke zu schließen. Diese Ausrede verhinderte auch immer die vernünftige Lohnverhandlung der Westlöhne.

Wir haben für den Tarifvertrag ab 2018 den mutigen aber notwendigen Schritt gemacht, den unfairen Lohnunterschied aus der Welt zu schaffen. Dies liegt auch daran, dass wir die gesamte Tarifrunde quasi durch einen Spiegel betrachten durften. Die letzten Jahre haben immer die Kollegen im Westen als erstes mit Tarifaktionen und reger Teilnahme auf sich aufmerksam gemacht. Dieses Mal waren es die Kollegen, die seit bald 30 Jahren unberechtigt weniger Geld für dieselbe Arbeit und Ausbildung erhalten.

Alles in Allem kommt dieser Tarifabschluss aber auch nicht nur den Arbeitnehmern im Osten zu Gute. Wir werden in der nächsten Tarifrunde eine ganz andere Ausgangslage haben, um in die Verhandlungen einzusteigen. Das liegt z.B. an einem starken Osten mit sicher regem Mitgliederzuwachs und dem Wegfall des Faktors, dass der Osten ja immer mehr zahlen müsste, um nicht noch höhere Lohnunterschiede zu generieren.

Versucht bitte mal einem Zehnjährigen zu erklären, warum der Schornsteinfeger ein paar Kilometer weiter deutlich weniger Geld für die gleiche Arbeit verdient wie ihr. Nach knapp 30 Jahren Einheit wird es sehr schwer dies zu begründen, zumal das Argument der unterschiedlichen Lebenserhaltungskosten von Ost zu West Vergangenheit ist. Natürlich gibt es dort auch sehr günstige Regionen auf dem Land - die gibt es bei uns aber auch!

Wir haben Solidarität gezeigt, etwas Historisches für unsere Kollegen erreicht und dabei bewiesen, dass unser Leitspruch nicht nur für die Kollegen im Umkreis von 20km zählt. Viele, ich würde fast behaupten alle anderen Handwerke kämpfen schon seit langem für den Schritt zu einem Ost-West-Angleich. Wir konnten beweisen, dass das kleine Schornsteinfegerhandwerk nicht nur immer hinter den großen Handwerksbranchen hinterherläuft und in deren Schatten agiert, wie es in den Verhandlungen von Arbeitgeberseite angesprochen wurde. Wir haben wieder einmal demonstriert, dass wir auch Vorreiter und Vorbild sein können. Und es werden sich sicher in den kommenden Tarifverhandlungen viele andere Gewerke auf unseren Tarifabschluss, sowie auf den der IG Bau für die Gebäudereiniger berufen. So konnte das kleine, sich angeblich hinter großen Handwerken versteckende Schornsteinfegerhandwerk, faire Löhne bundesweit und in allen Berufen vorantreiben und sicher auch beschleunigen.  

Nach vielen Gesprächen während den Tarifverhandlungen und auch nach deren Abschluss, bei denen am Ende immer die Solidarität im Vordergrund stand, bin ich stolz darauf, Mitglied in einer Gewerkschaft zu sein, welche der Verantwortung nachgekommen ist, eine jahrelang tolerierte Frechheit aus der Welt zu schaffen. 

Wir wünschen Euch und Euren Familien schöne Weihnachten und einen guten Start in das Jahr 2018. Genießt die Feiertage und ruhigen Momente.

Mit kollegialen Grüßen

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