10/16 Die Qualität der Aus- und Weiterbildung

Leitartikel Ausgabe 10/2016

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
als Mitglied der Prüfungsausschüsse hat mich in letzter Zeit vor allem eine Frage beschäftigt: Wie steht es um die Qualität der Ausbildung unserer Auszubildenden und wie um die unserer eigenen Weiterbildungen?

Immer wieder hört man von erschreckend hohen Durchfallquoten bei den Gesellenprüfungen, doch woraus resultieren solche Ergebnisse? Mit Sicherheit wäre es an diesem Punkt falsch alles gleichzusetzen oder die Schuld auf einer Seite abzuladen, dennoch will ich euch ein paar meiner Gedanken zu diesem Thema mitteilen. Als Ausbilder eines angehenden Schornsteinfegers kann ich sagen, dass das Interesse und die Lernwilligkeit der Azubis leider manches Mal ein schwieriges Thema darstellt. Der Umfang und die Anforderungen des Berufes werden oftmals unterschätzt, wodurch vieles auf die leichte Schulter genommen wird. Bis kurz vor der Prüfung dann das böse erwachen kommt. Man kann und muss natürlich eine gewisse Eigeninitiative entwickeln und der Ehrgeiz des Auszubildenden, sich hier und da auch Informationen selbst zu beschaffen und das Gelernte nach seinem Lerntempo zu vertiefen darf auch nicht unberücksichtigt bleiben. Was aber angesichts der zur Verfügung stehenden Unterlagen und Mittel wie z.B. unser Arbeitshilfen im Grunde kein Problem darstellen sollte, aber oftmals leider nicht zu genüge umgesetzt wird. Jeder Auszubildende bekommt auf Anfrage ein Grundausstattungspaket mit sämtlichen Unterlagen für unsere Tätigkeiten zur Verfügung gestellt. Wichtig ist, dass diese auch während der Ausbildung auch herangezogen und verinnerlicht werden.

Andererseits hört man jedoch auch vereinzelt Geschichten, bei denen der Lehrling wenige Wochen nach Ausbildungsbeginn alleine zum Kehren losgeschickt wird, oder seine Ausbilder sich nicht die Zeit nehmen, ihm die einzelnen Tätigkeiten zu erklären und seine Fragen zu beantworten. Leider werden hierbei drei Lebensjahre und die Zukunft eines Menschen aufs Spiel gesetzt. An diesem Punkt möchte ich mich euch zuwenden. In der Praxis übernimmt der zur Ausbildung qualifizierte Arbeitnehmer im Betrieb häufig den Großteil der praktischen Unterweisung. Hierbei ist es natürlich wichtig, sich die Zeit zu nehmen dem Azubi die einzelnen Tätigkeiten, Abläufe, Geräte und auch die Anlagentechnik im Detail zu erklären, wenn es nötig ist auch mehrmals. Ebenso wichtig ist es ihn selbstständig das erlernte durchführen oder erklären zu lassen und ihm Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Wichtig ist, immer das Ausbildungsziel vor Augen zu haben. Dies ist jedoch für die meisten von uns durch die Änderung der Ausbildungsordnung, welche neue Tätigkeitsfelder wie beispielsweise die Gashaussschau, die Datenaufnahme für einen Energieausweis oder den Einbau einer Nebenluftklappe mit sich bringt und den rasanten Wandel in unserem Handwerk in jüngster Zeit auch nicht leicht. Seien es geänderte Gesetzte, neue Anlagentechnik oder neue Tätigkeiten, müssen wir unser Wissen ständig aktuell halten und erweitern, was eine rege Weiterbildungsaktivität von jedem einzelnen erfordert.

Hauptsächlich spielt beim Thema Weiterbildung aber die Sicherung der eigenen Zukunft eine rollte. Jeder muss sich die Frage stellen, ob er seine beruflichen Kompetenzen den aktuellen Veränderungen der Arbeitswelt anpasst, oder auch erweitern will. Sei es um eine gute Arbeitsausführung und kompetente Kundenberatung bei immer komplexeren Themen zu ermöglichen, oder sich auf neue Wege zu begeben und neue Tätigkeiten erlernen oder um einfach Beruflich nicht zurück zu Fallen Um euch auf dem aktuellen Stand zu halten, legt der ZDS bei unseren Schulungen und Kursen stets Wert auf qualitativ hochwertige Weiterbildungen mit grundlegenden, aktuellen aber auch zukunftsorientierten Themen.

Da die Weiterbildung bei uns Schornsteinfeger unabdingbar ist haben wir auch im letzten Jahr unser Augenmerk vermehrt auf den Bildungsstand gelegt. Bei der letzten Tarifverhandlung wurde aus diesen Gründen auch die Forderung des ZDS nach mehr Schulungstage in Baden-Württemberg in die Verhandlungen aufgenommen. Teilweise kam in der letzten Tarifrunde aus baden-württembergischen Reihen bei persönlichen Gesprächen die Aussage, die tarifliche Weiterbildung, welche von der jeweiligen Innung durchgeführt wird, bediene sich manches Mal einer nicht sonderlich berufsbezogenen und zukunftsweisenden Themenwahl und die Durchführung wäre an vielen Stellen sehr lieblos. Dies kann man zwar mit Sicherheit nicht verallgemeinern, aber umso mehr drängen wir mit der Konkretisierung darauf, zu der sich beide Tarifparteien im Zuge der Verhandlungen verpflichtet haben, weiter zu kommen und die niedergeschriebene Mitwirkung des ZDS bei den Schulungstagen wieder aufleben lassen zu können. Denn die Qualifikation von unserem Handwerk sollte Thema beider Berufsverbände sein.

Mit allen Innungen in Baden-Württemberg, bis auf einer, konnten für die kommende Schulung einheitliche Themen und die Durchführung abgestimmt werden. Die Hälfte der Schulungen werden durch den ZDS abgedeckt. Bedauerlicherweise konnte mit der Innung Freiburg bis zum heutigen Tage (17.10.2016), trotzt mehrfacher Anfrage und Verpflichtung nach dem aktuellen Tarifvertrag keine Abstimmung erfolgen.

Als Fazit bleibt zu sagen, die Aus-und Weiterbildung dient jedem von uns, Auszubildenden, Arbeitnehmern, Arbeitgebern, beziehungsweise den Kunden und ganz allgemein unserem Handwerk als Zukunfts- und Qualitätssicherung. Diesen Stellenwert sollte ihr jeder auch einräumen.


 

Daniel Ritter
Stellv. Technik/Bildung
RV Südwest

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